Darmsanierung bei Diabetes? Warum der Darm oft mehr Einfluss hat als Insulin
In meiner Praxis sehe ich es immer wieder: Menschen mit beginnendem Diabetes oder gestörter Glukosetoleranz, die sich „mühen“ – Diät halten, Sport machen, Tabletten schlucken – und trotzdem kämpfen. Und dann gibt es andere, die mit der richtigen Darmsanierung plötzlich stabilere Werte haben – selbst bei gleicher Ernährung.
Neue Studien geben diesem Beobachtungswissen jetzt Rückendeckung. Und sie zeigen vor allem eins: Wir müssen individualisierter arbeiten. Denn jeder Darm reagiert anders – und damit auch jeder Mensch auf Kohlenhydrate.
Der stille Einfluss des Mikrobioms
Das Mikrobiom ist längst mehr als ein „modisches Thema“. Und es ist auch endlich in der Ärzteschaft angekommen – zum Glück. Ich kenne noch die Diskussionen aus den 90er Jahren, als man noch von Ärzten angegriffen wurde, weil das mit der Darmflora ja alles „Humbug“ sei; aber das nur am Rande.
Der Darm ist ein ein zentrales Regulationssystem – auch für den Blutzucker. Rund 90 % der Menschen mit Diabetes leiden an Typ 2, also der erworbenen Form, bei der die Zellen immer schlechter auf Insulin reagieren. Lange wurde das als reines Stoffwechselproblem betrachtet. Heute wissen wir: Das Mikrobiom mischt kräftig mit.
Mehrere Studien zeigen, dass die Zusammensetzung der Darmflora entscheidet, wie stark unser Körper auf Kohlenhydrate reagiert. Ein gestörter Darm (Stichwort Dysbiose) fördert nicht nur chronische Entzündungen, sondern auch eine ineffiziente Verwertung von Zucker. Einige Bakterien erhöhen die Energieausbeute aus Kohlenhydraten, andere hemmen die Ausschüttung von Inkretinen wie GLP-1 – einem Hormon, das nach dem Essen die Insulinproduktion anregt.
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Was die neue Forschung zeigt
Besonders spannend ist eine aktuelle Untersuchung aus eBioMedicine, bei der 30 Probanden über mehrere Monate hinweg High-Carb- und Low-Carb-Diäten im Wechsel erhielten. Begleitet wurde das Ganze durch regelmäßige Mikrobiom-Analysen. Das Ergebnis: Jeder Teilnehmer zeigte ein individuelles Reaktionsmuster – abhängig von der bakteriellen Besiedlung im Darm.
Ein spezieller „Carb-Sensitivity Score“ wurde entwickelt, mit dem sich vorhersagen lässt, wie stark der Blutzucker auf Kohlenhydrate anspringt. Aber nur beim High-Carb-Teil – nicht bei Low-Carb. Das zeigt: Kohlenhydrate und Mikrobiom interagieren auf besondere Weise. Die individuelle Verträglichkeit hängt weniger vom Makronährstoff selbst ab, sondern davon, wer im Darm gerade das Sagen hat.
Warum klassische Empfehlungen oft ins Leere laufen
Diäten nach dem Gießkannenprinzip funktionieren bei Typ-2-Diabetikern immer seltener. Einer fährt mit Low Carb glänzend – der andere bekommt Heißhungerattacken und gerät in einen Stresskreislauf. Wieder ein anderer reagiert auf Vollkornprodukte mit aufgeblähtem Bauch und schlechteren Werten, obwohl sie „gesund“ sein sollen. Diese Unterschiede lassen sich oft durch das Mikrobiom erklären.
Wenn wir diese Komplexität nicht berücksichtigen, bleibt die Therapie unbefriedigend. Oder, wie ich es manchmal etwas scharf formuliere: Solange wir nur den Zuckerwert senken, aber das Darmmilieu ignorieren, behandeln wir Symptome, keine Ursachen.
Was wir therapeutisch tun können
- Darmsanierung gezielt und individuell
Eine standardisierte Darmsanierung gibt es nicht. Aber drei Dinge helfen fast immer:
- Ballaststoffe anpassen: Anfangs oft weniger ist mehr. Statt grobe Faserstoffe (Leinsamen, Vollkorn) empfehle ich in der ersten Phase gut verträgliche Präbiotika wie Akazienfasern oder resistente Stärke.
- Falsche Bewohner verdrängen: Hier haben sich mikrobiologische Präparate bewährt, z. B. Saccharomyces boulardii, Lactobacillus plantarum, Bifidobacterium infantis – je nach Symptomatik.
- Darmwand beruhigen: Glutamin, Zink, Curcuma oder pflanzliche Komplexmittel wie Okoubaka-Kombinationen helfen, das Milieu zu stabilisieren.
- Akkermansia muciniphila im Blick behalten
Dieser Sauerstoff-vermeidende Bakterienstamm spielt eine Schlüsselrolle für den Glukosestoffwechsel. Er liebt Schleimschichten – und ist bei vielen Diabetikern kaum noch nachweisbar. Wer supplementieren will, sollte unbedingt vorher die Ernährung umstellen: Keine industriellen Öle, kein raffinierter Zucker, keine künstlichen Emulgatoren. Nur dann kann Akkermansia dauerhaft Fuß fassen.
- Zuckerregulation über sekundäre Pflanzenstoffe
Neben dem Mikrobiom gibt es weitere Helfer aus der Natur:
- Zimt (Ceylon): senkt den Blutzucker und verbessert die Insulinsensitivität
- Berberin: wirkt fast wie Metformin – nur milder, aber langfristig stabilisierend
- Maulbeerblätter: hemmen die Aufnahme von Zucker im Darm
- Bitterstoffe (z. B. Enzian, Löwenzahn): fördern die Bauchspeicheldrüse und verbessern die Glukoseverwertung
Ich kombiniere diese Mittel oft mit einer individuell abgestimmten Mikrobiomtherapie – das ergibt spürbare Synergien.
- HOMA-IR regelmäßig bestimmen
Der HOMA-IR-Wert (Glukose × Insulin / 405) zeigt frühzeitig, ob eine Insulinresistenz besteht – noch bevor der Nüchternblutzucker auffällig wird. Ich empfehle die Bestimmung bei allen Patienten mit Übergewicht, Müdigkeit nach dem Essen oder familiärer Diabetesbelastung.
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Mein Fazit aus der Praxis
Wer bei Diabetes nur Kalorien zählt oder Tabellen folgt, greift zu kurz. Die entscheidende Frage ist: Wie gut ist der Darm aufgestellt, um mit Kohlenhydraten umzugehen? Genau hier liegt der Schlüssel – und oft auch die Lösung. Eine gezielte Darmsanierung kann Glukosewerte stabilisieren, Entzündungen senken und die Insulinsensitivität verbessern – ganz ohne rigides Diätregime.
In der Praxis zeigt sich immer wieder: Wer das Mikrobiom ernst nimmt, spart sich viele Kämpfe. Denn echte Regulation entsteht nicht durch Verzicht, sondern durch ein Milieu, das den Stoffwechsel entlastet – von innen heraus.
Diabetes beginnt im Darm. Und genau dort muss auch die Therapie ansetzen.
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